04. und 05. April 2020 | WERTE 2020

Vom Guten, Schönen und Bewahren

Lebewesen werden je nach Umfeld taub, blind, stumm oder geruchslos, aber nie ohne Tastsinn geboren. Denn Fähigkeiten werden im Lernprozess am besten motorisch vermittelt. Anthropologen und Biologen wissen, dass selber durchgeführte Handlungsabläufe das Bewusstsein und den Blick auf Dinge nachhaltig verändern, schärfen und erweitern. Erklärungen werden „begriffen“, es fühlen sich richtig an und Wissen wird erarbeitet wenn man weiß, wie Dinge funktionieren oder hergestellt werden. Bewegung, Handeln und Fühlen ist das Gegenteil der Arbeit am Bildschirm, die Konstruktion von Dingen am Computer oder den Aktivitäten in sozialen Netzwerken. Solche Tätigkeiten erscheinen eher unsozial und eindimensional. Die digitale Revolution und Industrie 4.0 haben das Potenzial, die menschliche Hand mehr und mehr auf den eine App bedienen Zeigefinger zu reduzieren. Diese digitale Verflachung führt zwar dazu, dass wir unentwegt kommunizieren, aber kein eigenes Werk mehr zustande bringen. Wir verlieren die Fähigkeit, Dinge zu „begreifen“ und unsere Sinne zu schulen, was wahrscheinlich stärkere Auswirkungen auf unsere Kultur haben wird, als wir uns im Moment vorstellen können. Denn der Verherrlichung von künstlicher Intelligenz verdrängt viele Probleme, die mit der Frage zu tun haben, ob Identität auf chemische Prozesse im Kopf reduzierbar ist. Die Produkte von Manufakturen stehen für das genaue Gegenteil. In Zeiten, in denen vieles flüchtig und virtuell erscheint, gilt das Beständige, von Hand Gefertigte auch außerhalb traditioneller Käuferschichten aus Adel und gehobenem Bürgertum als erstrebenswert. Man sieht den Produkten das Können und die Wertschätzung der Arbeit an. Umgekehrt ist es für jeden Handwerker eine erholsame Erfahrung, mit anderen zusammenzuarbeiten, selbstvergessen etwas auszutüfteln, körperlich engagiert zu sein und dabei das die Selfiekultur strapazierende ICH einfach einmal auszuschalten. Glücklicherweise scheint der Mensch das Ende seines Vermögens zum gestalterischen Zugriff nicht widerstandslos hinzunehmen. Weil vieles nur für die Masse da ist, gewinnen Manufakturen an Selbstbewusstsein und Bedeutung. Handgefertigte Produkte, Werthaltiges, Anfassbares, Maßgefertigtes und traditionelle Herstellungsmethodensind gefragt wie nie zuvor.

Die Messe WERTE verbindet Menschen, die unter Einsatz ihrer Sinne und der körperlichen Kräfte Form und Ordnung schaffen und in einer kommerzialisierten, industriellen und leider allzu oft verantwortungslosen Wirtschaft für das Besondere stehen: für hochwertiges Produkt, die die Geschichte von Menschen, Material, Tradition und Kultur in sich tragen. Sie ist eine Plattform für Macher und Meister, die neue Impulse setzen, indem sie alte Traditionen wiederbeleben und seltene Berufe und Herstellungsverfahren als kulturgeschichtliche Fähigkeit erhalten. WERTE legt keinen Wert auf eine Wirtschaftsform des immer schneller, billiger und mehr, sondern setzt dem allgemeinen Werteverlust Authentizität, Transparenz und Qualität entgegen.

Nächste WERTE: 4./5. April 2020

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